Von Drahteseln und Steigeisen
Von Cusco zu den drei Kreuzen
Auch in Peru war ich neugierig, ob s´Radlfahrn hier Spass macht. Von Teresa frisch ausgestattet mit Zelt, Kocher und Radltaschen machte ich mich von Cusco (3400 m) aus auf den Weg Richtung Dschungel. Hoert sich nach viel bergab an, war es aber nicht. Nach dem Pass nahe Cusco hatte ich eine tolle Abfahrt, stellte dann aber zu meinem Erstaunen fest, dass ich alles und noch mehr wieder rauf musste. Der Pass (4000 m) wollte und wollte nicht kommen und da es schon 17 Uhr war, lud mich in dem Dorf Cuyo Grande der freundliche Hausmauerkuenstler Quintin ein, bei sich auf dem Grundstueck zu zelten. Seine Soehne halfen mir das Zeug hochzutragen, brachten mir Wasser und schauten natuerlich neugierig beim Zeltaufbauen zu...
Am naechsten Tag auf dem Weg zum Pass: eine Frau mit ihrer Ferkelmannschaft...
... oder Maenner, die nichts tuend auf Mauern sitzen und nur darauf warten, bis ein Radler vorbeikommt, mit dem sie ratschen koennen...
Nach dem Pass sauste ich von 4000 m auf 2800 m runter nach Paucartambo, vorbei an diesen staunenden Kindern, die mit ihrer Lehrerin gleich ihr Englisch uebten (warum sie mir allerdings "thank you" zuriefen, kann ich mir auch nicht erklaeren).
Der dritte Tag war dann der sprichwoertliche Hoehepunkt: von 2700 m musste ich nochmal rauf auf 3750 m, dafuer hatte ich dann irgendwann nichts mehr vor der Nase. Am Punkt Tres Cruzes wurde ich mit dem besten Ausblick jemals belohnt: 360 Grad, auf der einen Seite die Anden mit dem 6264 m hohen Salcantay...
... und auf der anderen Seite den wolkenverhangenen Dschungel...
Brotzeit mit Blick auf Brasilien...
Auf holpriger Strasse radelte ich wieder ins Tal, das von der Abendsonne schoen angestrahlt wurde...
Im Tal erwartete mich ein Spektakel der besondern Art: peruanischer Frauenfussball! Da flogen die Zoepfe!
Hat mich ein bisschen an die eigene F-Jugendzeit erinnert (immer ein Knaeuel um den Ball herum), aber an Begeisterung seitens der Spielerinnen hat´s nicht gefehlt!
Diese nette Familie ist grad auf dem Nachhauseweg vom Spiel, sie haben dort die Fans mit Brot versorgt.
Insgesamt waren´s dann 4 Tage radln, ca. 250 km, bei absolut wolkenlosem Himmel.
Der Himmel war auch woanders wolkenlos und zwar im...
Colca Canyon
Der Canyon ist nach seinem Nachbarn Catahuasi der zweittiefste Canyon der Welt (irgendwas ueber 3000 m) und liegt 160 km noerdlich von Arequipa. Der Bus brachte mich bequemerweise auf den Patapampa-Pass auf 4800 m; den Grund seht ihr auf dem Bild: in ganz Arequipa gibt es keinen Gepaecktraeger! So musste ich meine ganzen Sachen auf den Ruecken schnallen und mich mit der Streckenplanung an Hotels orientieren. Egal, hauptsache das Ding rollt. Also AB!, vom Pass mit wunderbarem Blick auf die umliegenden Schneegipfel...
... runter in den Canyon! Eine traumhafte Abfahrt, vor allem auch dank dem Asphalt, mit dem sie ja sonst ueberall eher sparen. Grasende Lamas...
Wenn es Abend wird im Canyon...
Am naechsten Tag ging´s dann 70 km durch den Canyon. Anfangs ist er noch sehr breit, mit unzaehligen kleinen Feldern gespickt.
Ueberall sieht man Bauern bei der Arbeit, so zum Beispiel diese beiden campesinos, die die geernteten Kartoffeln auf ihre Esel verladen.
Auf dem Weg passiert man unzaehlige Miradore (Aussichtspunkte), die ihren Namen zweifellos verdient haben...
Auf folgendem Bild ahnte ich bereits, dass flussabwaerts hier im Canyon nicht gleich bergab bedeutet. So musste ich nochmal lang bergauf bis zum bekanntesten Aussichtspunkt, dem Cruz del Condor, wo der Canyon am tiefsten ist und man morgens mit Glueck die riesigen Andenvoegel, die Kondore, beobachten kann. Ich kam spaetnachmittags an, ohne Kondore zwar, dafuer aber auch ohne die Touristenschwaerme, die dort jeden Morgen stehen.
Weil der Sattel mit Rucksack noch unbequemer war als ohnehin schon, man ohne Zelt nicht weit rumkommt und die Bayern am folgenden Tag zum Finale antraten, verkuerzte ich die Tour von vier auf nur zwei Tage. Macht nix, dafuer kam ich auf eine andere gute Idee...
Huayna Potosí
Schnell die Grenze am Lago Titicaca ueberquert, nach La Paz geduest, eine Tour gebucht und am naechsten Tag ging´s schon los: auf auf zum Huayna Potosi. Das ist er...
1. Tag
Nur zwei Stunden von La Paz entfernt erreicht man das Basislager auf 4700 m bequem per Auto. Am Nachmittag hatten wir die Gelegenheit, unsere Ausruestung am alten Gletscher zu probieren. Alle von uns hatten zum ersten Mal Steigeisen an und eine Eisaxt in der Hand.
Nach ein paar einfachen Uebungen ging´s in die Vertikale. Dank der hervorragenden Ausbildung bei Raendi an den Felswaenden im Kaisergebirge war ich hier kein Gruenschnabel mehr und schaffte es bis nach oben...
2. Tag
Vom Basislager waren´s nur zwei Stunden zum Hoehenlager auf 5130 m. Den ganzen Nachmittag hatten wir Zeit, um uns an die Hoehe zu gewoehnen und muede zu werden - um 18:00 Uhr war Zapfenstreich!
3. Tag
Nach nur einer Stunde Schlaf wurden wir endlich um Punkt Mitternacht geweckt. Ab zum Gipfel! Um halb 2 stiefelten wir, Travis aus Australien und ich mit Bergfuehrer Macario, im Mondenschein los, aufgrund der Hoehe mit nicht viel mehr als 1 km/h und vielen Pausen.
Nach 5 langen Stunden ueber Eis und Schnee und einem steilen Schlussanstieg zeigte uns Macario endlich das Ziel...
Da samma, auf 6088 m!
Der Ausblick von oben war fantastisch: auf die Cordillera Real, den Illimani, das Altiplano und sogar bis zum Titicaca-See, auf dem Bild links am Horizont zu sehen...
Leider konnten wir den Ausblick nicht lange geniessen, denn am Gipfel bliess ein arktischer Orkan, der nach ein paar Fotos die Finger zu Eis frieren liess (was die Zehen sowieso schon seit der letzten Stunde waren). Also machten wir uns an den Abstieg - im Bild die Cordillera Real und schon die naechsten Gipfelstuermer...
Der Abstieg war nicht leichter als der Aufstieg, weil dann doch irgendwie die Kraft weg war. Und die Bergbrotzeit pack ich mir beim naechsten Mal auch anders. Das Wasser in den Plastikflaschen war nicht mehr trink- sondern nur noch lutschbar, beim Snickers war die Verpackung am Riegel festgefroren und dann war mir klar, dass Apfel und Mandarine vielleicht auch keine gute Idee waren.
So schlurften wir todmuede nach unten, mit herrlicher Aussicht...
Die Seilschaft: Ich, Travis und Macario...
Mit dem Illimani (6462 m), dem Hausberg von La Paz...
Am selben Tag traf ich in La Paz Teresa und Lena wieder und wie es dann weiterging, erfahrt ihr in der naechsten Folge...
Weitere Bilder von Radln und Bergen im Album!
Sonnige Gruesse aus Cochabamba,
Barni