Zu Besuch bei den Yurakare
Nachdem wir uns in La Paz traenenreich von der Teresa verabschiedet hatten, ging´s bei uns weiter nach Cochabamba (8 Std. Busfahrt - 2, 20 Euro). Dort wohnt eine alte Schulfreundin vom Barni, die Niki, die nach Bolivien ausgewandert ist und den Bolivianer Alan geheiratet hat. Alan hat das Projekt DELPIA ins Leben gerufen, das mit indigenen Voelkern des Regenwaldes zusammenarbeitet. Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist, dass immer nur sehr wenige Touristen die Doerfer besuchen, das Geld zum groessten Teil im Dorf bleibt und fuer verschiedene Projekte eingesetzt wird, z.B. Fortbildungsmassnahmen. Ausserdem soll der Tourismus eine alternative Einnahmequelle zum Koka-Anbau sein. Mehr dazu auf link.
San Benito
Da der Regenwald zu Suedamerika ja genauso gehoert wie die Breze zu Bayern, nutzten wir diese einmalige Gelegenheit und machten uns von Cochabamba aus auf den Weg ins Tiefland. Nach 8 Std. Busfahrt, 1 Std. Taxifahrt, einer Flussueberquerung und einer halben Stunde zu Fuss erreicht man die Comunidad San Benito, eine Ansammlung von einfachen Holzhuetten, die verteilt im Wald stehen. Der Ort liegt am Fluss Isiboro, der die Lebensader der Bewohner darstellt - hier wird das Trinkwasser geholt, Waesche gewaschen, gebadet und gefischt.
In San Benito wohnen ca. 30 Familien, von denen uns eine fuer 5 Tage als Gaeste aufgenommen hat.
Sonia und Epi mit ihren Kindern Lisette und Araseli.
Wir haben nicht schlecht gestaunt, als uns die beiden ihr Alter verraten haben: Epi ist 26 und Sonia 20, das erste Kind bekam sie mit 18, was in der Gemeinde nichts besonderes ist. Im ganzen Dorf sieht man junge Muetter ihre Babies stillen - die juengste ist gerade mal 16. Alte Leute gibt es kaum, dafuer umso mehr Kinder.
Das Haus einer Yurakare-Familie besteht immer aus einer kleinen Kochhuette, in der ein Feuer gemacht wird. Die Leute ernaehren sich hauptsaechlich von Reis, Yuka, Kochbananen, Mais, Fisch, Fleisch (entweder gekauft oder selbst gejagt) und je nach Saison Bananen, Papaya oder Orangen.
Rechts sieht man den Eingang zur Kueche und den Rest des Hauses im Hintergrund: ein ueberdachtes Stueck Erde mit zwei Betten, zwei Haengematten und einem Tisch mit allen Habseligkeiten der Familie.
Am ersten Tag machten wir mit der Familie einen Bootsausflug mit Picknick am Flussufer. Dabei fiel Epi ein, dass er noch Kleber fuer seine Pfeile braucht und schnell machte er sich daran, auf einen Baum einzuhacken. Zwei Stunden spaeter konnten wir den Kleber "ernten".
Auch Nichte Victoria und Tochter Lisette waren dabei...
Am naechsten Tag zeigte uns Epi den Regenwald mit seinen riesigen Baeumen...
... und seinen Bewohnern: Auf die Frage, wer in diesem Bau wohnt, antwortete uns Epi ueberzeugt, dass hier ein Kobold zu Hause sei. Nachts verlaesst dieser seine Behausung und gibt seltsame Pfeiflaute von sich.
Fuer die Yurakare ist der Wald beseelt und sie glauben an verschiedene Geister. Doch wie uns Niki erklaerte, glaubt auch ein betraechtlicher Teil der uebrigen Bolivianer an Kobolde.
Jeden Nachmittag kommen die Dorfbewohner an den Fluss, um sich oder Waesche zu waschen, Wasser zu holen und zu ratschen.
Am dritten Tag begleiteten wir Epi aufs chaco (Feld), wo er Coca, Mais, Bananen und Yuka anbaut. Mit Macheten machten wir uns daran, den Boden von Straeuchern und Kleinholz zu befreien. Falls nun der Eindruck entstehen sollte, wir holzen Regenwald ab, um Platz fuer Cocaanbau zu schaffen...
...stimmt das zum Teil.
Coca ist in der Region leider so ziemlich die einzige Einnahmequelle und trotz verstaerkter Kontrollen und Strafen der Regierung immer noch stark verbreitet. Epi hat allerdings ganz vorbildliche Plaene, sich als Alternative Kuehe zuzulegen, um Milch und Fleisch zu verkaufen.
Wie das so oft ist im Regenwald, sieht man statt grosser eher viele kleine Tiere. Hier z.B. unser WM-Maskottchen in schwarz-rot-gold.
Es fiel uns allerdings schwer, die kleinen Tierchen ins Herz zu schliessen, da sie uns nur Boeses wollten. Im naechsten Bild zu sehen: Nichts ahnendes, unschuldiges Opfer und hinterhaelitiges Instekt im Landeanflug.
Die Zeit bei den Yurakare war eine besondere Erfahrung, weil wir die Chance hatten, das Leben einer solchen Gemeinde aus naechster Naehe mitzubekommen. Es war interessant zu sehen, mit wie wenig man auskommen kann: Kein Strom, kein Gas, kein fliessendes Wasser, keine Habseligkeiten (ausser Koch- und Arbeitsgeraeten), kaum Moebel und keine Fotos. Die ersten Familienfotos haben wir gemacht und ihnen zukommen lassen.
Cochabamba
Das tolle an Bolivien: Man bekommt oft mehr fuers Geld. Eigentlich hatten wir nur 7 Stunden Busfahrt zurueck nach Cochabamba bezahlt, bekamen aber ganze 17. Dankeschoen!
In Cocha kamen wir bei Niki und Alan unter, die seit 3 Monaten einen neuen Mitbewohner haben - klein Martin!
Hier zeigt sie ihm gerade ihren Arbeitsplatz, das Proyecto Horizonte. Dieses engagiert sich in einem armen Stadtviertel von Cochabamba und betreibt dort eine Schule, einen Kindergarten, ein Gesundheitszentrum, Fortbildungsmassnahmen, Frauengruppen und vieles mehr. Niki ist dort als Koordinatorin und Organisatorin von Projekten taetig.
Bei Niki verbrachten wir unsere Zeit mit ausgiebig fruehstuecken (inclusive ihrem leckerem Vollkornbrot und diversen ebenfalls selbstgemachten Marmeladen), ratschen mit Martin, WM anschauen und kochen.
Endlich wieder deutsches Fruehstueck...
"Hey chica, was gibts da zu schauen? Weg mit der Kamera!"
Nochmal danke an dieser Stelle an euch drei fuer diese entspannenden Tage im stressigen Reisealltag :)
Von Cochabamba aus gings wieder zurueck nach La Paz, dazu mehr im naechsten Bericht.
Inzwischen sind wir wieder in Peru und feiern an diesem schoenen Tag bei Spaghetti und Rotwein den Verlauf der WM.
Viel Spass auch mit dem Album und einen sonnigen Gruss,
Lena & Barni