Aliñambi
Schon vor der Reise hatten wir ja die Idee, laenger an einem Ort zu bleiben, um zu arbeiten, Land und Leute besser kennen zu lernen, unser Spanisch zu verbessern und eine Reisepause einzulegen. In der Sprachschule hatten wir von einem Projekt in Conocoto (25 km suedoestlich von Quito) gehoert, das unser Interesse weckte. Das Kinderheim Aliñambi (auf Quechua "guter Weg") ist eine Einrichtung fuer Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen Gruenden nicht mehr bei ihren Familien leben koennen und hier ein neues Zuhause gefunden haben. Die 10 Maedchen und 8 Jungen werden von zwei "tías" (Tanten) betreut, die allerdings nur aufpassen - waschen, putzen, kochen etc. muessen alle selbst, sogar die Kleinen.
Hier ein Gruppenfoto (von fast allen):
Unser Tag begann recht frueh, um 05.15 (wenn sich jetzt der eine oder andere denkt "geschieht euch recht" - ist das schon ok
) Gemeinsam wurden morgendliche Dienste wie kehren, wischen und abspuelen erledigt, bevor um halb acht die Schule begann, die sich uebrigens auf dem selben Gelaende befindet.
Die 130 Schueler kommen aus der Umgebung und teilen sich auf 7 Klassen plus Kindergarten auf. Fuer einen Platz an der Schule muessen die Eltern 10 Dollar pro Monat zahlen, was fuer hiesige Verhaeltnisse nicht wenig ist (z.B. Lehrermindestlohn: 218 Dollar im Monat), auch wenn man bedenkt, dass die Familien oft sehr kinderreich sind. Deshalb kommt es oft vor, dass die Eltern nicht bezahlen koennen, wodurch der betreffende Schueler nicht am Examen teilnehmen darf und somit das Jahr wiederholen muss. Staatliche Schulen sind deutlich guenstiger, dafuer unterrichtet dort ein Lehrer 45 Kinder.
Jeden Montag Morgen spielt sich in allen Schulen Ecuadors das gleiche Ritual ab: Alle versammeln sich, singen die Nationalhymne und hissen die Flagge. Diese weit verbreitete Zeremonie (z.B. auch in Togo und Indien gelaeufig) hat einen Touch von Militaer-Camp und wer nicht in einer sauber gebuegelten Uniform, mit ordentlicher Frisur und kurz geschnittenen Fingernaegeln kommt, handelt sich grossen Aerger ein.
Die Drill-Mentalitaet durchzieht auch den Unterricht, wo der Lehrer von der Tafel aus Befehle und Unterrichtsinhalte durchs Klassenzimmer bruellt. Wer da nicht mitkommt, bleibt auf der Strecke. Offener Unterricht und Material existiert nicht und leider ist auch eigenstaendiges Denken nicht gerade gefragt.
Immer wieder fuehlt man sich in die Vergangenheit versetzt - so koennte es auch in Deutschland vor einiger Zeit ausgesehen haben.
Die positive Nachricht: Die Zeit in der Schule hat uns viel fuers Referendariat gebracht, weil wir jetzt zumindest wissen, wie man´s nicht machen sollte...
Am Nachmittag brachten wir uns dort ein, wo man uns brauchen konnte: Ob zum Radl richten...
Hausaufgaben machen...
Nachhilfe geben...
... oder jugaaaaaaaaaaaaar (spielen) !!!
In der hauseigenen Backstube konnten wir Tio Fausto (Hausmeister und Baecker) helfen und haben dabei unser famoses Brotback-Talent entdeckt.
Am Ostersonntag maschierte direkt vor dem Heim ein Umzug vorbei, bei dem einige mit Masken verkleidet waren. Dazu spielte eine Blaskapelle und eine Jesusfigur wurde in einem Glaskasten herumgetragen. Die Freude ueber die Auferstehung war so gross, dass man sich im Anschluss mit ausreichend Billig-Schnaps ins kollektive Delirium befoerderte. Zu der grossen Feier mit 15-koepfiger Band und kostemlosen Essen und Trinken wurden auch wir eingeladen. Der Haken: Ehe man sich versieht wird man auf die Tanzflaeche gezerrt und im Zweiminutentakt kommt der Schnapsmann mit scheusslichem Fusel vorbei, den man nur sehr schwer ablehnen kann. Wir haben uns bald verabschiedet, aber das froehliche Fest ging noch bis in die fruehen Morgenstunden weiter.
Das Essen im Kinderheim ist sehr einfach: Zum Fruehstueck gibt es Tee oder Piña Colada (nein, keinen Cocktail, sondern ein heisses Getraenk aus Ananas, Haferflocken und Wasser) und Brot, Kochbanane, Kekse oder Ei.
Mittags gab es immer Reis wahlweise mit Linsen, Fleisch oder Suppe. Abends wird dann nur noch wenig gegessen (siehe Fruehstueck). Unser Favorit waren patitas (gekochte Huehnerfuesse) - die knacken noch so richtig beim draufbeissen.
An unserem letzten Wochenende haben wir mit Hilfe der Kinder ein grosses Abschiedsessen gekocht. Daniela und Jessica beim schnipseln...
Leider haben uns die ecuadorianischen Spaghetti im Stich gelassen und sich beim Kochen zu einem einzigen Teigklumpen vereint. Sosse und Lutscher konnten das Essen zum Glueck retten...
Am meisten Spass hat uns das Spielen mit den Kindern gemacht, weil sie immer mit grosser Begeisterung dabei waren, sei es Frisbee, Brettspiele, Jenga, 4-Gewinnt oder Fussball. Auch die Malkaesten, die wir gekauft haben, waren ein Renner, nur darf einem dabei das Papier nicht ausgehen...
4 Wochen sind natuerlich viel zu kurz, aber trotzdem konnten wir einen kleinen Eindruck bekommen, wie der Alltag eines Kinderheims in einem suedamerikanischen Land aussieht.
Im Moment sind wir am Pazifik in dem gemuetlichen Fischerdorf Puerto Lopez und geniessen Wellen, Fruchtsaefte und besseres Wetter. Eine Woche bleibt uns noch im schoenen Ecuador ...
Um noch mehr Besucher auf die Seite zu locken, haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen: Ein Preisraetsel! Hauptpreis ist eine 6-woechige Reise, nix-inclusive, mit vielen anstrengenden Wanderungen und kurzen Naechten in billigen Unterkuenften, dafuer mit UNS. Was DU dafuer tun musst? Folgende Quizfrage loesen:
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Liebe Gruesse von der Kueste
Lena & Barni